1. Einleitung
Während der öffentlichen, intensiv geführten
Debatte um die Frage, in welcher Form denn
das Gebiet zwischen Dom und Römer neu bebaut
werden solle, wurde auch immer wieder
die Anregung laut, sich der möglicherweise
sehr umfangreichen, noch vorhandenen Originalteile
aus der untergegangenen Altstadt zu
bedienen. Diese Bauteile könnten als Spolien
entweder in nachzubauende Altstadthäuser
oder auch in Neubauten integriert werden. Somit
könnte eine geschichtlich-gestalterische
Kontinuität aufgebaut werden, und die authentischen
„sprechenden“ Steine könnten das
kleine Viertel beleben.
Nachdem die Stadtverordnetenversammlung
der Stadt Frankfurt am Main den Wiederaufbau
von mindestens sechs Häusern an ihren
originalen Standorten beschlossen hatte, wurde
auch festgelegt, sich Klarheit über noch
wirklich vorhandene Spolien zu verschaffen.
Es sollte nachgeforscht werden, welche Spolien
an welchen Stellen in der Stadt lagern.
Diese sollten einzeln erfasst und dargestellt
werden, und es sollte eine Aussage darüber gemacht
werden, ob und wie sie wiederverwendet
werden könnten.
Die hier vorgelegte Studie ist in gewisser Hinsicht
die Fortsetzung der im Oktober 2006 fertig
gestellten „Dokumentation Altstadt“, in
der alle verfügbaren Unterlagen über die ehemals
50 Häuser zusammengetragen sind, die
im Umgriff des Technischen Rathauses und
des Archäologischen Gartens gestanden hatten.
Denn schon damals wurde nach Spolien
gefragt. Aber aus Gründen der Zeit und des
vorhersehbaren, großen Umfangs konnte diese
Frage in 2006 noch nicht behandelt werden.
Es war jedoch klar geworden, wie eine solcherweise
notwendige Recherche angegangen
werden müsste. Der Kernbereich zwischen
Dom und Römer ließ demnach zahlenmäßig
nicht viele Fundstücke erwarten, so dass die
Suche auch auf andere Gebiete der ehemaligen
Altstadt ausgedehnt werden müsste. Die
Suche sollte sich ausschließlich auf Bürgerhäuser
konzentrieren, nicht etwa auch kirchliche
Bauten, städtische Gebäude oder Fundstücke
des ehemaligen jüdischen Ghettos umfassen.
Und die Suche sollte auch nur solche Bürgerhäuser
berücksichtigen, die baugeschichtlich
und stilistisch mit denen des Kernbereichs korrespondieren.
Es hatte sich schnell herausgestellt, dass alle
existierenden Spolien, die sich im Eigentum
der Stadt befinden, in den Depots des Historischen
Museums (HMF) lagern, bzw. wie im Falle
der Spolien innerhalb der U-Bahnstation „Römer“,
vom Historischen Museum gelistet sind.
Die Recherche konzentrierte sich folgerichtig
einzig auf das Historische Museum. Eventuell
vorhandene Spolien in Privatbesitz sollten
eventuell über andere Wege dokumentiert werden.
Der Gesamtbestand des Historischen Museums
wurde in Augenschein genommen. Als
Ergebnis wurden 306 Originalbauteile erfasst
und in der vorliegenden Studie dokumentiert:
als Foto, als Aufmaßzeichung, als Kurzbeschreibung
zur Art, zur Geschichte und zum
Zustand. Soweit es durch das Nachforschen gelungen
war, ist auch der Herkunftsort vermerkt
und in den entsprechenden Hausansichten
markiert.
Dieser umfangreiche „Katalog“, der etwa ein
Drittel des Gesamtbestandes des HMF darstellt,
ist die erste umfassende Gesamtschau
dieser Spolien. Er gliedert sich in
Kapitel 1, mit Spolien aus dem Kernbereich
Kapitel 2, mit Spolien aus der übrigen Altstadt
Kapitel 3, mit Spolien unbestimmter Herkunft
aus der Altstadt
Innerhalb jedes Kapitels sind zunächst Spoliengruppen
mit zwei und mehr Einzelstücken
desselben Gebäudes aufgeführt. Danach folgen
die Einzelspolien, geordnet nach Bauepochen
in den Materialgruppen: Stein, Metall
und Holz.
Von den 306 Spolien bestehen 232 aus Stein,
48 aus Metall und 26 aus Holz. In dieser Reihenfolge
erscheinen sie in den jeweiligen Kapiteln.
Die Spolien sind fortlaufend nummeriert
und weisen auch, falls vorhanden, die Depot-
Nummer des Historischen Museums auf. Auf eine
weitgehend einheitliche Präsentation wurde
Wert gelegt, um eine denkbare Weiterarbeit
mit diesem Material durch Bauherrn und Architekten
zu erleichtern. Bei mehreren Spolien
erscheinen auf den fotografischen Abbildungen
allerdings spolienfremde Spuren. Dies sind Teile
von Regalen, in denen sie lagern und aus denen
sie zum Fotografieren nicht herausgenommen
werden konnten.